Verhalten bei Wildtierbegegnung

Bist Du draußen unterwegs, ist der Kontakt mit Wildtieren meistens nur ein kurzer Sichtkontakt. Selten kommt es vor, dass Du einem Wildtier so nah kommst, als dass Du es aus der Nähe betrachten könntest. Die meisten Wildtiere haben Dich schon längst bemerkt, gesehen oder gerochen, bevor Du überhaupt ahnst, dass es in der Nähe ist.

Solltest Du das Glück haben, einem Wildtier durch günstige Umstände so nah zu kommen das es nicht davon läuft – verhalte Dich ruhig und besonnen und betrachte das Tier einfach oder mach Fotos. Anders kann es sich bei Wildschweinen verhalten – aber dazu später mehr.

Aber wer kennt sie nicht, die Panik und Geschichten unter den Menschen, spricht man von Wildtieren. Dazu möchte ich folgendes sagen:

Füchse und Tollwut


Wichtig: Die Tollwut gehört zu den gefährlichsten Wildkrankheiten. Sie verläuft quasi immer tödlich. Für den Menschen besteht erhöhte Ansteckungsgefahr. Es ist eine Viruserkrankung. Es gibt die rasende und die stille "Wut". Die Inkubationszeit beträgt 3 Wochen bis 6 Monate.

Im Volksmund sagt man, der Fuchs wäre Tollwut verseucht. Das stimmt so nicht ganz... Abgesehen davon, das der Fuchs neben Schalenwild, Wolf, Dachs, Waschbär, Fledermaus, Katze, Hund, Weidetiere usw. sehr wohl das Tollwut Virus durch Speichel, Biß- oder Kratzwunden übertragen kann, so ist das Virus seit 2005-2008 quasi in Deutschland nach WHO Richtlinien ausgestorben. Dennoch gibt es immer wieder Fälle bei uns in Deutschland. 

Viele fragen sich, ob eine vorbeugende Impfung sinn macht – wenn Du Wildhüter, Jäger oder Labormitarbeiter bist, der ständig damit zu tun haben könnte – ja. Ansonsten nein. Solltest Du da draußen von einem Tier gebissen oder gekratzt werden, so wird Dir im Krankenhaus eine sogenannte Simultan Impfung gegeben. Diese wird im Wundbereich und unter die Haut gebracht und besteht i.d.R. aus inaktiven Tollwutviren.

Mit der Tollwut ist nicht zu spaßen!

Solltest Du in ein exotisches Land reisen, so frage bei Deinem Hausarzt nach Sinn und Zweck und erkunde Dich notfalls beim Auswärtigen Amt nach Tollwut Warnungen im Zielgebiet. Hier noch ein paar weiterführende Infos: www.de.wikipedia.org/wiki/Tollwut

Sollte es doch einmal zu einer Begegnung mit einem Fuchs oder einem anderen Tier in Deine Nähe kommen und dieses sich untypisch verhalten – z.B. keine Scheu zeigen, hängender Unterkiefer, Hautabschürfungen, Lähmungen oder Schaum/erhöhten Speichelfluß vorm/am Maul/Äser oder ähnliches haben oder zeigen, dann versuche Dich rasch aber nicht panisch zurück zu ziehen, durch Lärm das Tier zu vertreiben und notfalls bei einem Angriff (unwahrscheinlich) auf einen Baum oder wenn es überhaupt nicht mehr geht mit einem Stock oder ähnlich das Tier zu verjagen bzw. auf Abstand zu halten.

Die Tollwut ist Anzeigepflichtig! Sollte Dir ein Tier auffallen, welches oben genannte Symptome oder Verhaltensweise zeigt, so informiere umgehend entweder die Polizei, das zuständige Forstamt, wenn bekannt den Revierinhaber/Pächter, bekannten Jäger oder das zuständige Kreisveterinäramt.

Das angriffslustige Wildschwein


Wildschweine sind an sich sehr scheu und friedliche Tiere – sie sehen nicht besonders gut und haben eher Angst vor dem Menschen als umgekehrt. Sie haben einen sehr ausgeprägten Geruchssinn und sind zwar Tag- und Nacht, bei uns in Deutschland aber mehr Nachtaktiv. Ich habe es noch nie erlebt, wenn ich in meinem Lager war, dass ein Wildschwein vorbeikam – und wenn, dann viele Meter davon entfernt. Sobald das Tier oder die Rotte mich wahrgenommen hatten, waren sie auch schon auf und davon.

Warum gibt es aber dann so viele Geschichten, Berichte usw. von angreifenden Wildschweinen? Nun, das liegt immer daran wo es stattfindet und wer es dann weiter erzählt. Sollte es aber dennoch zu einer Situation kommen, in der ein Wildschwein angreift – dann ist das absolut gefährlich und nicht zu unterschätzen!

Das kann Dir aber eigentlich nur passieren wenn Du folgende Ratschläge nicht beherzt:

  • Begegnest Du einem einzelnen Wildschwein (egal ob Keiler, Bache oder Überläufer) – so bewege Dich nicht hektisch, schneide keinen Fluchtweg ab oder bedränge das Tier und ziehe Dich langsam zurück – nicht rennen.
  • Sollte es dafür zu spät sein, bringe einen Gegenstand zwischen Dich und das Tier (am besten einen Baum oder Felsen) – das Wildschwein greift in der Regel nur einmal an und zieht sich dann zurück (Scheinangriff).
  • Am "gefährlichsten" sind die Bachen eigentlich nur (Muttertiere) zwischen März und Mai – da kommen die Frischlinge (manchmal auch Juni) zur Welt und bleiben mit Ihnen die ersten Wochen in sogenannten Wurfkesseln zurück – ganz weit weg bleiben, nicht zwischen Bache und Frischlinge stellen – langsam zurückziehen!
  • Bei der Jagd angeschossene Tiere alle Ratschläge beherzen und möglichst schnell aber nicht hektisch/panischaus dem Staub machen – notfalls auf einen Baum klettern – diese Tiere sind unberechenbar und extrem aggressiv! – deswegen immer Handy und Signalpfeife am Mann – damit Du Hilfe holen kannst.
    Sollte es sich um einen Keiler im Todeskampf handeln, so kann diese Situation bedingt durch den Keilerstoß mit seinemn Waffen (Gewaff - Gewehre/Haderer) wirklich lebensgefährlich werden z.B. durch eine Verletzung der Oberschenkel (Arterielle Verletzungen usw.).
  • Normalerweise flüchten Wildschweine sofort wenn sie kapieren, dass Menschen in der Nähe sind – aber es kann aufgrund von Witterungsumständen dazu kommen, das sie zwar registrieren es sind Menschen in der Nähe, wissen aber nicht wo. 

Also wundere Dich nicht, wenn das Tier oder die Rotte in Deine Richtung läuft – dann haben sie Dich noch nicht gerochen – klatsche laut in die Hände, dann sollten sie einen Haken schlagen – wenn nicht ist es doch ein Angriff und dann zur Not auf den Baum rauf. 

Weitere Infos u.a. hier: http://www.wildschweine.net/lebensweise.htm 

Der Menschenfressende Wolf


Der Wolf ist zurück in Deutschland. Vor langer Zeit in unseren heimischen Wäldern (fast) ausgerottet, freut es die einen sehr, den anderen wird Angst und Bange und die dritte Seite im Bunde wollen nur einen normalen, sachlichen Umgang mit ihm und einige wollen ihn einfach nur noch weg haben aus unterschiedlichen Gründen.

Weil Wölfe zur Zeit in unserer Kulturlandschaft nicht bejagt werden (zumindestens legal), reagieren sie auf den Anblick von Menschen zwar vorsichtig, sind aber nicht extrem scheu. Findet eine Begegnung statt, so erfolgt oft keine panische Flucht des Wolfes, sondern er zieht sich meist ruhig und gelassen zurück. Der Wolf ist von Natur aus eigentlich eher ein vorsichtiges und misstrauisches Tier, es gab und gibt aber leider Fälle, in denen ein einzelner Wolf oder kleine Rudel Ihre Scheu und Angst vor Menschen anscheinend verloren haben, weil u.a. falsch informierte Wolfsfreunde diese offensichtlich angefüttert haben (Habituierung).

Trotzdem kommt es in der Regel selten bis gar nicht zu einer Begegnung zwischen Wolf und Mensch, da dieser den Menschen frühzeitig wahrnimmt und ihn aus dem Weg geht, oder aber sein Streifverhalten im Revier den Aktivitäten des Menschen anpasst – d.h. mehr Nachtaktiv im Revier unterwegs ist. Es kann auch vorkommen, das ein Wolf ähnlich wie Füchse oder Rehe, in der Dunkelheit in die Nähe bewohnter Häuser kommt um dort sein Revier zu „begehen“. Letzteres hat in einigen Gegenden in Deutschland leider vermehrt zugenommen.

Wie aber verhalte ich mich bei einer Begegnung? Naturgemäß werden die Wölfe von klein auf an Ihr Beutespektrum durch die Elterntiere herangeführt – der Mensch gehört von Haus aus nicht zum Beuteschema der Wölfe. Es gibt Berichte, wonach einzelne Wölfe sich nicht von Menschen verjagen ließen während sie im Begriff waren z.B. ein Schaf einer Herde zu reißen oder wo ein Rudel eine Spaziergängerin mit Hund verfolgte und wo ein Jäger Nachts im Unterholz von einem einzelnen Wolf attackiert worden sein soll.

Im ersten Fall kann von „Problemwölfen“ gesprochen werden, da dies ein untypisches Verhalten ist, wahrscheinlich handelte es sich um Jungwölfe, die angefüttert wurden. Im zweiten Fall kann es sein, das die Wölfe leider Gottes ebenfalls durch Anfütterung Ihre natürliche Scheu vor dem Menschen verloren hatten und es wahrscheinlich auf den Hund abgesehen hatten. Im dritten Fall kann es sein, dass der Wolf sich durch den Jäger bedroht gefühlt hat oder es handelte sich um ein krankes Tier - oder es ist eine Lagerfeuergeschichte.

Der Wolf spaltet die Nation


Die Gemüter sind jedenfalls erhitzt, falsch verstandener Tier- bzw. Artenschutz, fehlende Gesetze, Wilderer, unfaire und unsachliche Diskussionen...die Liste ist lang und der Wolf – der lacht und breitet sich erst mal in Ruhe aus. Den einen Vorteil hat der Wolf – er macht einfach und muss sich nicht mit Bürokratie und endlos Diskussionen herumschlagen. Hier wird wieder einmal deutlich: zu viele Köche verderben den Brei. Es bleibt abzuwarten wohin die Reise geht.

 Grundsätzlich kann gesagt werden:

  • Von gesunden Wölfen geht in der Regel keine Gefahr aus, da sie von Natur aus sehr Menschenscheu sind
  • Das Risiko in Deutschland von einem Wolf angegriffen zu werden, ist z.Zt eher unwahrscheinlich
  • Ein Wolfsangriff auf Menschen ist grundsätzlich extrem ungewöhnlich und ist wenn vermutlich auf Tollwut oder auf die Gewöhnung (Habituierung) bzw. das anfüttern zurück zu führen!
  • Einen Wolf niemals bedrängen oder hinterher „jagen“ – das kann sonst schnell ins Auge gehen
  • Im Notfall hilft nur schnellstens auf den Baum und hoffentlich das Handy und Signalpfeife dabei haben – lieber Hilfe holen als eine offene Konfrontation mit einem ggf. kranken Tier oder gewöhnten Rudel riskieren

Für weiterführende Informationen möchte ich Dir folgende Links ans Herz legen:

www.wolfsregion-lausitz.de
www.woelfeindeutschland.de 
www.jagdverband.de