Bushcraft Grundausstattung: Was du draußen wirklich brauchst
Bei Bushcraft-Ausrüstung kann man sehr viel Geld ausgeben. Viel wichtiger als eine möglichst lange Packliste ist für mich aber, dass die einzelnen Teile zusammenpassen und draußen zuverlässig funktionieren.
Ich brauche Kleidung, die mich bei wechselnden Bedingungen unterstützt. Ich brauche ein Schlafsystem, das zur Temperatur passt. Ich muss mich gegen Regen und Wind schützen, Wasser transportieren und aufbereiten können, Licht haben, mich orientieren können und einige grundlegende Werkzeuge beherrschen.
Welche konkrete Ausrüstung sinnvoll ist, hängt dann davon ab, ob ich einen Overnighter mache, mehrere Tage unterwegs bin, im Winter draußen schlafe, mit Hängematte unterwegs bin oder mein Lager nur wenige hundert Meter vom Fahrzeug entfernt aufbaue.
Die Produkte und Hersteller, die ich hier konkret nenne, sind keine allgemeine Bestenliste. Es sind Ausrüstungsgegenstände, die ich selbst nutze, genutzt habe oder aus meiner Praxis heraus für sinnvoll halte.
Kurz gesagt: Eine vernünftige Bushcraft-Grundausstattung besteht für mich aus einem funktionierenden Bekleidungs- und Schlafsystem, Wetterschutz, Rucksack, Messer, Säge, Feuer- und Zunderset, Wasseraufbereitung, Kochmöglichkeit, Licht, Orientierung, Erste Hilfe und einigen einfachen Reparatur- und Notfallmitteln. Axt, Hängematte, Multifuel-Kocher und weitere Spezialausrüstung kommen abhängig vom Einsatz dazu.
Erst den Einsatz festlegen, dann die Ausrüstung kaufen
Eine Bushcraft-Grundausstattung ist keine starre Einkaufsliste.
Für eine Sommernacht auf einem bekannten Lagerplatz brauche ich etwas anderes als für eine mehrtägige Wintertour. Wer seine komplette Ausrüstung über viele Kilometer tragen muss, bewertet Gewicht und Packmaß anders als jemand, der ein festes Camp aufbaut.
Ich stelle mir deshalb bei jedem Ausrüstungsteil zuerst vier Fragen:
- Welche Aufgabe soll es erfüllen?
- Unter welchen Wetterbedingungen muss es funktionieren?
- Wie schwerwiegend wäre ein Ausfall?
- Muss ich das Gewicht über längere Strecken tragen?
Erst danach entscheide ich mich für Material, Größe, Hersteller und Preis.
Bekleidung: Das Schichtsystem ist wichtiger als die einzelne Jacke
Outdoor-Bekleidung funktioniert für mich als System. Ich möchte während körperlicher Arbeit überschüssige Wärme und Feuchtigkeit loswerden und bei Pausen, Wind oder sinkenden Temperaturen schnell Isolation ergänzen können.
Base Layer: Merinowolle oder Kunstfaser?
Direkt auf der Haut nutze ich je nach Jahreszeit und Aktivität Merino oder funktionelle Kunstfaser.
Merinowolle mag ich besonders bei längeren Aufenthalten draußen. Sie trägt sich angenehm und entwickelt bei mehrtägiger Nutzung vergleichsweise wenig Geruch. Kunstfaser hat dagegen Vorteile, wenn ich stark schwitze und möglichst schnelle Trocknung wichtig ist.
Bei Merino achte ich auf eine nachvollziehbare Herkunft und bevorzuge mulesingfreie Wolle beziehungsweise entsprechend zertifizierte Lieferketten, beispielsweise nach dem Responsible Wool Standard.
Im Winter nutze ich einen langen Base Layer. Im Sommer reicht je nach Wetter und Belastung eine leichtere Variante.
Baumwolle ist für kalte, nasse und körperlich anstrengende Touren für mich keine gute erste Schicht. Sie nimmt viel Feuchtigkeit auf und trocknet vergleichsweise langsam.
Socken: ein kleines Ausrüstungsteil mit großer Wirkung
Gute Socken werden häufig unterschätzt. Blasen, feuchte Füße oder Druckstellen können eine Tour schneller ruinieren als ein mittelmäßiges Messer.
Ich nutze gerne Socken von Darn Tough. Mir gefallen insbesondere die Merino-Mischgewebe, die feste Passform und die Haltbarkeit.
Merksatz: Die dickste Socke ist nicht automatisch die wärmste Lösung. Wenn der Stiefel dadurch zu eng wird und der Fuß zusammengedrückt wird, ist nichts gewonnen. Socke und Schuh müssen als System zusammenpassen. Ein trockenes Ersatzpaar gehört bei längeren oder nassen Touren für mich in den Rucksack.
Mid Layer, Isolation und Wetterschutz
Über dem Base Layer nutze ich je nach Temperatur eine isolierende Schicht aus Fleece, Wolle oder synthetischer beziehungsweise anderer geeigneter Isolation.
Die äußere Lage schützt vor Wind und Niederschlag. Für längere Aufenthalte bei Regen verlasse ich mich nicht ausschließlich auf eine wasserabweisende Imprägnierung, sondern nehme echten Nässeschutz mit.
Ein Poncho kann zusätzlich interessant sein, weil er nicht nur den Körper, sondern je nach Schnitt auch Teile des Rucksacks schützt und sich teilweise anderweitig verwenden lässt. Savotta bietet beispielsweise robuste Poncho-Lösungen an.
Mütze, Handschuhe und Buff, Halstuch oder Shemagh sind für mich ebenfalls Teil der Grundausstattung. Bei Kälte und Wind machen diese kleinen Teile einen deutlichen Unterschied.
Schuhe und Stiefel
Ich würde keinen bestimmten Stiefel pauschal für jeden empfehlen. Fußform, Gelände, Temperatur und persönliches Laufgefühl unterscheiden sich zu stark.
Bewährt haben sich bei mir beziehungsweise in meinem Umfeld unter anderem Modelle von Haix, Meindl und Lundhags. Wichtig sind Passform, ausreichend Platz im Zehenbereich, geeignete Socken und eine Konstruktion, die zum Einsatz passt.
Ein schwerer hoher Lederstiefel kann für Wald, Jagd und anspruchsvolles Gelände hervorragend funktionieren. Für andere Touren kann ein leichterer Schuh die bessere Wahl sein.
Rucksack: Volumen passend zum Vorhaben
Beim Rucksack gibt es für mich keine universelle Literzahl.
Für einen Tagesausflug kann ein relativ kleiner Rucksack ausreichen. Mit Schlafsystem, Tarp, Verpflegung und zusätzlicher Bekleidung steigt das Volumen schnell. Winterausrüstung braucht nochmals mehr Platz.
Ich mag robuste und modular aufgebaute Rucksäcke von Savotta. Die aktuelle Palette reicht von kleinen Systemen bis zu großen Lastenträgern. Interessant sind beispielsweise Jääkäri S, M, L und XL sowie die neueren Kantamus-Modelle.
Welcher davon sinnvoll ist, hängt nicht davon ab, welcher der größte ist. Entscheidend sind Rückenlänge, tatsächliches Packvolumen, Last, Hüftgurt, Erweiterbarkeit und die Frage, wie weit ich das Gewicht tragen muss.
Gerade bei modularen Rucksäcken gefällt mir, dass Seitentaschen und weitere Pouches nur dann montiert werden können, wenn sie tatsächlich gebraucht werden.
Merksatz: Kaufe einen Rucksack nicht absichtlich viel zu groß. Freier Stauraum hat die unangenehme Eigenschaft, sich vor einer Tour mit Dingen zu füllen, die man anschließend kilometerweit tragen muss.
Schlafsystem: Schlafsack, Inlett und Isomatte gehören zusammen
Ein warmer Schlafsack alleine ergibt noch kein funktionierendes Schlafsystem.
Unter meinem Körper wird die Füllung des Schlafsacks zusammengedrückt und verliert einen großen Teil ihrer Isolationswirkung. Die Isolation zum Boden übernimmt deshalb vor allem die Isomatte.
Bei Matten achte ich auf den R-Wert. Je höher der R-Wert, desto größer ist grundsätzlich der Wärmewiderstand der Matte. Wie das in der Praxis einzuordnen ist, erkläre ich ausführlich in meinem Ratgeber zum R-Wert von Isomatten.
Für robuste Campnutzung mag ich weiterhin geschlossenzellige Faltmatten. Sie sind einfach, relativ leicht und praktisch unempfindlich gegen Löcher. Wenn Komfort, Packmaß oder Winterisolation wichtiger werden, können moderne isolierte Luft- oder selbstaufblasende Matten deutliche Vorteile haben.
Im Winter kombiniere ich je nach Bedingungen auch unterschiedliche Matten. Dadurch bekomme ich zusätzliche Isolation und gleichzeitig Redundanz, falls eine aufblasbare Matte beschädigt wird.
Schlafsack: Der Komfortwert zählt
Beim Schlafsack interessiert mich nicht die spektakulärste Temperaturzahl auf dem Etikett. Für die Planung ist bei entsprechend normierten Schlafsäcken insbesondere der Komfortbereich relevant.
Für Wintereinsätze nutze ich einen echten Winterschlafsack beziehungsweise ein Schlafsystem mit ausreichender Reserve. Modelle und Systeme von Carinthia oder Savotta sind Beispiele für robuste Lösungen, aber auch hier entscheidet der konkrete Temperaturbereich und nicht die Marke allein.
Ein Schlafsack-Inlett beziehungsweise Liner gehört für mich bei längeren Touren ebenfalls dazu. Es hält Schweiß und Schmutz vom eigentlichen Schlafsack fern und lässt sich wesentlich einfacher waschen. Abhängig vom Material kann es zusätzlich etwas Isolation bringen.
Einen dünnen Liner würde ich aber niemals dazu benutzen, einen für die Bedingungen zu schwachen Schlafsack rechnerisch in einen Winterschlafsack zu verwandeln.
Mein Ansatz beim Schlafsystem
Ich plane Schlafsack und Isomatte immer zusammen. Dazu kommen trockene Schlafkleidung, Wetterschutz und meine persönliche Kälteempfindlichkeit.
Bei Kälte plane ich lieber etwas Reserve ein, statt mich auf einen theoretischen Grenzwert zu verlassen.
Tarp: Für mich eines der wichtigsten Bushcraft-Werkzeuge
Ein gutes Tarp ist extrem vielseitig. Es kann Wetterschutz, Schlafplatz, Arbeitsbereich oder Notunterkunft sein.
Ich bevorzuge rechteckige Tarps aus Ripstop-Gewebe.
Für Bodenschläfer halte ich etwa 3 × 3 Meter für eine sehr universelle Größe. Bei Hängematten-Setups nutze ich abhängig von Hängematte und Aufbau gerne 4 × 3 Meter, damit an Kopf- und Fußende genügend Wetterschutz vorhanden ist.
Mindestens genauso wichtig wie die Fläche sind für mich die Abspannpunkte.
Bei einem vielseitigen Bushcraft-Tarp möchte ich mindestens 19 sinnvoll verteilte Abspannpunkte. Damit lassen sich deutlich mehr Konstruktionen realisieren als mit einer Plane, die praktisch nur an ihren Ecken abgespannt werden kann.
Dazu gehören unter anderem A-Frame, Lean-to, Lean-to mit Vordach, Diamond-Varianten sowie teilweise oder weitgehend geschlossene Aufbauten.
Ripstop allein ist allerdings noch kein Qualitätsmerkmal für das gesamte Tarp. Ich achte zusätzlich auf Beschichtung, Nähte, verstärkte Abspannpunkte, Verarbeitung, Packmaß und das tatsächliche Material.
Heringe
Sehr leichte Miniheringe können beim Trekking sinnvoll sein. Für meine Bushcraft-Nutzung bevorzuge ich häufig robustere Heringe im Bereich von etwa 20 bis 30 Zentimetern.
Ich mag einfache stabile Rundnägel beziehungsweise robuste nagelartige Heringe. Sie sind nicht die leichteste Lösung, funktionieren bei einem stationären Camp aber zuverlässig und lassen sich notfalls kräftiger einschlagen.
Welche Form funktioniert, hängt immer vom Boden ab. Sand, weicher Waldboden und harter verdichteter Boden stellen völlig unterschiedliche Anforderungen.
550er Paracord: Standardseil für viele Campaufgaben
Für Abspannungen und viele Reparaturarbeiten nutze ich gerne 550er Paracord.
Der Begriff 550 stammt aus der Type-III-Klasse und bezieht sich auf eine nominelle Mindestbruchlast von 550 lb. Das bedeutet nicht automatisch, dass jedes kommerziell als „550 Paracord“ angebotene Produkt eine militärische Spezifikation erfüllt.
Bei meinem eigenen geplanten Bushcraft-North-Paracord sind deshalb Material, Mantel, Kernaufbau und belastbare Herstellerdaten wichtiger als irgendein „Military“-Marketingbegriff.
Geplant sind klassisches 550 Type III aus Nylon sowie separat ein Survival Cord. Solange die finalen Produktionsdaten noch nicht vollständig feststehen, werde ich keine Eigenschaften versprechen, die der Hersteller noch nicht abschließend dokumentiert hat.
Normales 550er Paracord oder Survival Cord?
Klassisches Paracord besitzt einen geflochtenen Mantel und mehrere innere Kernstränge. Dadurch kann ich es im Notfall auftrennen und die feineren Fasern beispielsweise für Reparaturen nutzen.
Survival Cord geht einen anderen Weg. Zusätzlich oder anstelle einzelner normaler Kernbestandteile können beispielsweise Nähfaden, Monofilament-Angelschnur oder brennbares Material integriert sein.
Das erhöht die möglichen Notfallanwendungen. Es bedeutet aber nicht automatisch, dass Survival Cord das bessere Abspannseil ist.
Für normale Camp- und Tarparbeiten bevorzuge ich klassisches, hochwertiges 550er Paracord. Survival Cord sehe ich eher als ergänzendes Notfallprodukt.
Wichtig: Paracord ist kein Kletterseil und kein Ersatz für zugelassene persönliche Schutzausrüstung oder ein entsprechend zertifiziertes Sicherungssystem.
Für einen typischen Tarp-Aufbau finde ich etwa 15 bis 30 Meter sinnvoll. Praktisch ist eine Aufteilung in mehrere fertige Stücke, beispielsweise zweimal zehn und zweimal fünf Meter.
Bodenschläfer oder Hängematte?
Beides funktioniert. Es sind aber zwei unterschiedliche Schlafsysteme.
Mein Hängematten-Setup
Ich nutze gerne Hängematten von Ticket to the Moon, unter anderem die King Size.
Die aktuelle King Size misst laut Hersteller 320 × 230 cm beziehungsweise 300 cm reine Stofflänge. Die Breite ist für mich gerade als großer Nutzer interessant, weil eine ausreichend große Hängematte diagonales Liegen ermöglicht.
Für ein richtiges Übernachtungs-Setup brauche ich aber deutlich mehr als nur die Hängematte:
- Hängematte in ausreichender Länge und Breite
- breite, baumschonende Gurte beziehungsweise Tree Straps
- geeignete Aufhängung
- Tarp als Wetterschutz
- Abspannleinen
- Underquilt für die Isolation von unten
- Schlafsack oder Topquilt
- bei Bedarf Moskitonetz
Die breiten Baumschoner sind für mich selbstverständlich. Dünne Schnüre gehören nicht direkt um empfindliche Baumrinde.
Warum ein Underquilt?
In einer Hängematte wird die Isolation des Schlafsacks unter meinem Körper zusammengedrückt. Gleichzeitig kann Luft unter der Hängematte entlangströmen.
Deshalb bevorzuge ich bei kühleren Bedingungen einen Underquilt. Er hängt außen unter der Hängematte und wird nicht durch mein Körpergewicht zusammengedrückt.
Eine Isomatte kann in einer Hängematte ebenfalls funktionieren. Sie kann allerdings verrutschen und ist je nach Hängemattenform weniger komfortabel.
Eine kleine zusätzliche Hängematte kann außerdem praktisch sein, um nachts Kleidung oder leichte Ausrüstung trocken und vom Boden weg zu lagern.
Merksatz: Bei der Hängematte denke ich genauso wie beim Bodenschlafen in einem kompletten System: Wetterschutz oben, Isolation unten und ein zur Temperatur passender Schlafsack oder Quilt.
Zelt und Tipi: sinnvoll, wenn der Einsatz dazu passt
Ein Tarp ist nicht automatisch für jede Situation die beste Unterkunft.
Bei starkem Wind, Schnee, exponiertem Gelände oder längeren Standzeiten kann ein geeignetes Zelt klare Vorteile haben. Geodätische Konstruktionen sind bei anspruchsvollen Wind- und Schneebedingungen interessant, aber die pauschale Aussage, dass im Winter ausschließlich ein Geodät funktioniert, wäre falsch.
Auch Tunnelzelte, Tipis und andere Konstruktionen können abhängig von Modell, Abspannung und Bedingungen sehr gut funktionieren.
Wichtig ist außerdem die Rechtslage am konkreten Ort. Übernachten, Zelten und Lagern im Wald oder in der freien Landschaft lassen sich in Deutschland nicht mit einem einzigen pauschalen Satz beantworten. Eigentumsrecht, Landesrecht, Naturschutzrecht und Schutzgebiete können eine Rolle spielen.
Messer: das zentrale Bushcraft-Werkzeug
Wenn ich mich bei den Werkzeugen beschränken müsste, wäre ein gutes feststehendes Messer eines der ersten Teile meiner Ausrüstung.
Ich achte auf sicheren Griff, kontrollierbare Klingenlänge, vernünftige Scheide, geeigneten Stahl und einen Schliff, der zur geplanten Arbeit passt.
Gemeinsam mit Steffen Meyer habe ich Bushcraft-North-Messer umgesetzt, die sich an genau diesen praktischen Anforderungen orientieren.
Beim klassischen großen Bushcraft-Messer bevorzuge ich unter anderem einen Scandi-Schliff, wenn kontrollierte Holzarbeiten und Bushcraft-Anwendungen im Vordergrund stehen. Daneben haben andere Schliffarten je nach Anwendung ebenfalls ihre Berechtigung.
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Beim Messer muss die aktuelle Rechtslage berücksichtigt werden. Die oft wiederholte Aussage „feststehend bis 12 cm ist immer erlaubt“ ist zu pauschal. Messertyp, Führen, Transport, Ort und konkrete Situation müssen getrennt betrachtet werden.
Die rechtliche Einordnung habe ich deshalb separat ausführlich aufbereitet:
Messer & Recht in Deutschland: Was Bushcrafter wissen müssen
Säge: für mich oft wichtiger als die Axt
Für die Holzverarbeitung ist eine gute Säge enorm effizient.
Ich nutze gerne Silky-Sägen und insbesondere die Silky Bigboy 2000.
Sie besitzt ein 360 mm langes, leicht gebogenes Blatt und arbeitet auf Zug. Die grobe 6,5er-Verzahnung ist vor allem für gröberes Holz interessant. Für kleinere Touren kann eine kompaktere Silky natürlich sinnvoller sein.
Die Bigboy ist für mich deshalb keine Empfehlung nach dem Motto „jeder braucht genau diese Säge“. Ich nutze sie, weil ich bei Camps und Kursen regelmäßig mehr Holz bearbeite und die lange Säge dort ihre Stärken ausspielen kann.
Bei Zugsägen ist die Technik wichtig. Beim Vorschub wird nicht mit Gewalt gedrückt. Ein langes dünnes Sägeblatt kann durch falsche Belastung beschädigt werden.
Axt: meine Hultafors Åby Waldaxt
Eine Axt gehört nicht automatisch in jeden Rucksack. Wenn ich aber ein Camp aufbaue, Brennholz verarbeite oder gröbere Holzarbeiten plane, ist sie ein sehr nützliches Werkzeug.
Ich nutze die Hultafors Åby Waldaxt.
Sie liegt zwischen einem kleinen Trekkingbeil und einer großen Fäll- oder Spaltaxt. Der Hersteller gibt einen 700-g-Axtkopf, einen 600-mm-Hickorystiel und ein Gesamtgewicht von rund einem Kilogramm an. Die Fingerkerbe unterhalb des Kopfes ermöglicht es außerdem, bei feineren Arbeiten näher am Kopf zu greifen.
Für mich ist gerade diese Vielseitigkeit interessant: gröbere Holzarbeit, Brennholz, Shelterbau und kontrolliertere Arbeiten mit einem Werkzeug.
Wer dagegen nur einen leichten Overnighter macht und eine gute Säge dabeihat, kann die Axt häufig zu Hause lassen.
Messer, Säge oder Axt?
Für mich gibt es keine Pflicht, immer alle drei Werkzeuge mitzunehmen. Messer und Säge decken bereits sehr viele Arbeiten ab. Die Axt kommt dazu, wenn der konkrete Einsatz sie rechtfertigt.
Entscheidender als die Zahl der Werkzeuge ist, dass ich jedes davon sicher beherrsche – auch bei Nässe, Kälte und Müdigkeit.
Feuer: Feuerzeug, Feuerstahl und guter Zunder
Feuermachen gehört zum Bushcraft. Trotzdem würde ich auf einer echten Tour nicht aus Prinzip nur einen Feuerstahl mitnehmen.
Ein einfaches Feuerzeug ist effizient und wiegt fast nichts. Der Feuerstahl ist für mich eine robuste zusätzliche Möglichkeit und vor allem ein hervorragendes Werkzeug, um Feuertechnik wirklich zu lernen.
Mein Bushcraft-North-Feuerstahl ist genau dafür gedacht: nicht als Dekoration am Rucksack, sondern als Arbeitswerkzeug.
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Entscheidend ist aber nicht nur der Funke. Wer Feuer machen möchte, muss Zunder vorbereiten und geeignetes Holz erkennen und aufbereiten können.
Für vorbereiteten trockenen Zunder nutze ich gerne eine Zunderdose. Meine Bushcraft-North-Zunderdose wird mit Kienspan angeboten und kann anschließend mit eigenem Zundermaterial weiter genutzt werden.
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Feuer mache ich selbstverständlich nur dort, wo es rechtlich zulässig und unter den aktuellen Bedingungen sicher verantwortbar ist. Waldbrandgefahr, Wind und örtliche Vorschriften haben Vorrang vor jeder Bushcraft-Technik.
Kocher: Es gibt nicht den einen richtigen
Bei Kochern nutze ich bewusst unterschiedliche Systeme. Ein kleiner Gaskocher für eine kurze Tour erfüllt eine andere Aufgabe als ein Multifuel-Kocher für Kälte, längere Touren oder Regionen, in denen bestimmte Kartuschen schwer erhältlich sind.
Optimus Elektra FE: mein kompaktes Komplettsystem
Für unkomplizierte Touren mag ich das Optimus Elektra FE Kochsystem.
Das System kombiniert den Crux Lite Gaskocher mit einem Wärmetauscher-Topf, Pfanne beziehungsweise Deckel, Windschutz und Piezo-Anzünder. Der Hersteller gibt für das komplette System rund 0,95 Liter Topfvolumen und etwa 460 Gramm Gewicht an.
Der Vorteil liegt für mich in der Einfachheit: Kartusche anschließen, Kocher aufbauen und kochen. Für ein oder zwei Personen und normale Touren ist das sehr angenehm.
Der Nachteil eines klassischen Aufschraub-Gaskochers bleibt die Bauhöhe. Mit größerem oder schwerem Topf muss ich auf einen stabilen Stand achten.
Optimus Vega: stabiler Gaskocher mit externer Kartusche
Wenn ich einen niedrigen Kocher mit separater Kartusche möchte, nutze ich gerne den Optimus Vega.
Der Vega ist über einen Schlauch mit der Kartusche verbunden. Dadurch sitzt der Topf tiefer und das System steht stabiler als ein hoher Aufschraubkocher.
Interessant ist außerdem der vom Hersteller vorgesehene 4-Saison-Modus, bei dem eine geeignete Kartusche entsprechend der Bedienungsanleitung umgedreht betrieben werden kann. Dadurch wird Flüssiggas zugeführt, was den Einsatz bei niedrigen Temperaturen verbessern kann.
Das macht aus einem Gaskocher aber kein völlig temperaturunabhängiges System. Gasgemisch, Kartuschentemperatur und korrekte Bedienung bleiben entscheidend.
Optimus Polaris Optifuel: wenn Brennstoffflexibilität wichtig wird
Für anspruchsvollere Anwendungen nutze ich den Optimus Polaris Optifuel.
Das ist ein Multifuel-System. Laut Hersteller kann der Kocher unter anderem mit Gas, Reinbenzin, Petroleum, Kerosin und Diesel betrieben werden. Ein wesentlicher Vorteil ist die Konstruktion mit einer Düse für unterschiedliche Brennstoffe.
Genau diese Flexibilität macht ihn für längere Touren, Wintereinsatz und Reisen interessant.
Dafür ist das System schwerer und komplexer als ein einfacher Gaskocher. Flüssigbrennstoffbetrieb verlangt außerdem mehr Aufmerksamkeit bei Bedienung, Vorheizen, Wartung und Transport.
Merksatz: Für kurze und unkomplizierte Touren bevorzuge ich meist Gas. Wenn Kälte, lange Einsatzdauer oder Brennstoffverfügbarkeit eine größere Rolle spielen, werden Schlauch- und Multifuel-Systeme interessanter. Brennstoffkocher betreibe ich nur entsprechend der Herstelleranleitung und grundsätzlich mit ausreichender Belüftung beziehungsweise dort, wo der Hersteller den Betrieb vorsieht.
Kochgeschirr: Edelstahl, Titan und Aluminium haben unterschiedliche Stärken
Die alte pauschale Empfehlung, grundsätzlich auf Aluminium zu verzichten, würde ich heute so nicht mehr geben.
Edelstahl ist robust und unkompliziert, aber relativ schwer. Titan ist leicht und stabil, verteilt Wärme beim richtigen Kochen aber anders und ist deutlich teurer.
Hart anodisiertes Aluminium ist leicht und besitzt eine gute Wärmeleitung. Genau deshalb wird es auch in hochwertigen Kochsystemen wie dem Optimus Elektra FE eingesetzt.
Ich entscheide deshalb nach Einsatz und Konstruktion statt nach einem pauschalen Materialverbot.
Fürs Camp mag ich robuste Töpfe und Billy Cans. Für Touren, bei denen Gewicht zählt, kann ein leichteres Kochset sinnvoller sein.
Wasser: Behälter, Filter und eine zweite Möglichkeit
Wasser gehört zu den Bereichen, bei denen ich möglichst nicht nur eine einzige Lösung einplane.
Eine robuste Weithalsflasche ist praktisch, weil sie sich leicht befüllen und reinigen lässt. Eine geeignete einwandige Edelstahlflasche bietet zusätzlich die Möglichkeit, Wasser direkt zu erhitzen, sofern ihre Konstruktion und Herstellerangaben dies zulassen.
Vakuumisolierte beziehungsweise doppelwandige Edelstahlflaschen gehören nicht ins Feuer.
Wasserfilter
Ich habe über die Jahre unterschiedliche Systeme genutzt beziehungsweise empfohlen, darunter Modelle von Katadyn, Sawyer und MSR.
Welche Lösung sinnvoll ist, hängt vom Wasser und vom Einsatz ab. Ein leichter Hohlfaserfilter wie der Katadyn BeFree oder Sawyer kann für viele Touren sehr praktisch sein. Robuste Pumpfilter wie der Katadyn Pocket oder andere Systeme haben wiederum andere Stärken.
Wichtig ist: Ein Wasserfilter macht nicht automatisch jede unbekannte Flüssigkeit sicher.
Filter unterscheiden sich darin, welche Mikroorganismen und Partikel sie zurückhalten. Gelöste Chemikalien, Kraftstoffe, Schwermetalle oder andere Verunreinigungen sind ein anderes Problem.
Bei zweifelhafter Wasserquelle ist deshalb bereits die Auswahl der Quelle entscheidend.
Licht: Stirnlampe zuerst
Wenn ich nur eine Lampe mitnehmen dürfte, wäre es eine Stirnlampe.
Beim Holzarbeiten, Kochen, Lageraufbau oder bei Erste-Hilfe-Maßnahmen brauche ich beide Hände.
Ich achte weniger auf möglichst spektakuläre Lumenwerte und mehr auf vernünftige Laufzeit, zuverlässige Bedienung, eine niedrige Leuchtstufe und möglichst Rotlicht.
Hersteller wie Petzl, Black Diamond, Fenix und Nitecore haben entsprechende Modelle im Programm.
Bei längeren Touren gehört eine zweite Energiequelle beziehungsweise Ersatzakku oder Batterie dazu.
Orientierung: Karte, Kompass und digitale Navigation
Ich halte wenig davon, moderne Navigation künstlich gegen klassische Navigation auszuspielen.
Smartphone und Offline-Karten sind hervorragende Werkzeuge. Sie hängen aber von Akku, Gerät und Software ab.
Deshalb gehören für mich bei entsprechenden Touren weiterhin Karte und Kompass dazu.
Bei Kompassen haben sich unter anderem Silva und Suunto bewährt. Je nach Anwendung kann ein einfacher Kartenkompass reichen. Wer genauer peilen möchte, kann einen Spiegel- beziehungsweise Peilkompass nutzen.
Bei Karten arbeite ich abhängig vom Zweck beispielsweise mit Maßstäben um 1:25.000 oder 1:50.000.
Dazu kommen Bleistift, gegebenenfalls Kartenhülle und die Fähigkeit, das Material auch wirklich zu benutzen.
Erste Hilfe: Ausrüstung nur mit entsprechendem Wissen
Mein Erste-Hilfe-Set passe ich an Tour, Gruppengröße, Entfernung zu professioneller Hilfe und meine Ausbildung an.
Für eine normale Bushcraft-Tour gehören für mich unter anderem hinein:
- Einmalhandschuhe aus Nitril
- sterile Wundauflagen
- Verbandmaterial
- Pflaster und Blasenversorgung
- elastische Binde
- Rettungsdecke
- Zeckenwerkzeug
- persönlich benötigte Medikamente
- geeignete Mittel zur einfachen Wundversorgung
Erweiterte Blutungskontrolle mit Tourniquet oder hämostatischen Verbandmitteln kann sinnvoll sein, wenn das entsprechende Anwendungswissen vorhanden ist.
Spezialisierte Atemwegs- oder Traumamedizin würde ich dagegen nicht als pauschale Grundausstattung für Anfänger empfehlen.
Wichtiger als noch ein medizinisches Produkt ist eine vernünftige Ausbildung. Für Outdoor- und Notfallkurse ist beispielsweise ProMedi ein möglicher spezialisierter Anbieter.
Kleine Tools, Reparatur und Pflege
Einige unspektakuläre Dinge haben sich bei mir über Jahre bewährt:
- Stofftaschentuch
- Notizblock und Bleistift
- Gewebeband
- Kabelbinder
- Nähmaterial
- Signalpfeife
- Powerbank beziehungsweise Energiereserve
- Jutebeutel zum Sammeln geeigneter Materialien
- Müllbeutel
- kleiner Schleifstein
- geeignetes Messer- beziehungsweise Werkzeugpflegeöl
Für Messer nutze ich je nach Situation Schleifsteine unterschiedlicher Körnung oder einen kompakten Diamantschärfer. Unterwegs geht es mir nicht darum, eine perfekte polierte Schneide herzustellen, sondern die Gebrauchsschärfe erhalten zu können.
Das Bushcraft-North Survival-Armband: Backup statt Hauptausrüstung
Mein Bushcraft-North Survival-Armband ordne ich bewusst nicht als Ersatz für die oben genannten Ausrüstungsgegenstände ein.
Es ist ein kompaktes Backup. Integriert sind Feuerstahl und Schaber, Mini-Kompass, Notpfeife und rund drei Meter Paracord.
Genau so sollte ein solches Produkt meiner Meinung nach betrachtet werden: als zusätzliche Reserve, die wenig Platz benötigt – nicht als Ersatz für richtigen Kompass, Feuerzeug, Feuerstahl und vollständige Notfallausrüstung.
Was ich als Anfänger zuerst kaufen würde
Wer neu anfängt, muss diese komplette Liste nicht auf einmal kaufen.
Ich würde zuerst Geld in die Dinge investieren, deren Versagen draußen besonders unangenehm oder sicherheitsrelevant wird:
- passende Schuhe und wettergerechte Kleidung
- Schlafsack und Isomatte
- Tarp oder anderer Wetterschutz
- Wasserbehälter und passende Wasseraufbereitung
- Stirnlampe
- gutes Messer
- Säge
- Feuerzeug, Feuerstahl und Zunder
- Paracord und Heringe
- Erste-Hilfe-Set
- Karte und Kompass
- passender Rucksack
Kocher, Axt, Hängematten-Komplettsystem, Spezialfilter, zusätzliche Lampen und andere Ausrüstung kommen danach entsprechend dem tatsächlichen Einsatz.
Meine Bushcraft-Grundausstattung als Packliste
Bekleidung
- Merino- oder Kunstfaser-Base-Layer
- Mid Layer
- Isolationsschicht passend zur Temperatur
- Nässeschutz
- Outdoorhose
- Mütze beziehungsweise Kopfschutz
- Handschuhe
- Buff, Halstuch oder Shemagh
- passende Outdoor-Socken plus Ersatzpaar
- geeignete Schuhe oder Stiefel
Schlafen und Shelter
- Schlafsack passend zur erwarteten Temperatur
- Schlafsack-Inlett/Liner
- Isomatte mit passender Isolation
- Unterlegplane bei Bedarf
- Ripstop-Tarp, für mich idealerweise mit mindestens 19 Abspannpunkten
- 20–30 cm Heringe abhängig vom Boden
- 15–30 m 550er Paracord
Optionales Hängematten-System
- ausreichend große Hängematte
- breite Baumschoner
- Aufhängung
- Tarp
- Underquilt
- Schlafsack oder Topquilt
- Moskitonetz bei Bedarf
Werkzeuge
- feststehendes Bushcraft-Messer
- Klappsäge
- Axt beziehungsweise Beil bei entsprechendem Einsatz
- kleines Schärfmittel
Feuer
- Feuerzeug
- Feuerstahl
- vorbereiteter Zunder
- Zunderdose
Wasser und Küche
- Wasserbehälter
- Wasserfilter beziehungsweise geeignete Aufbereitung
- Kocher passend zum Einsatz
- Brennstoff
- Topf beziehungsweise Kochsystem
- Becher
- Besteck
Licht und Orientierung
- Stirnlampe
- Energiereserve
- Karte
- Kompass
- Smartphone mit Offline-Karten als Ergänzung
Sicherheit und Kleinteile
- Erste-Hilfe-Set
- persönliche Medikamente
- Rettungsdecke
- Signalpfeife
- Reparaturmaterial
- Notizblock und Bleistift
- Jutebeutel
- Müllbeutel
Ausrüstung muss draußen funktionieren
Meine erste Bushcraft-Ausrüstung war ebenfalls nicht perfekt. Das muss sie auch nicht sein.
Mit einer günstigen Plane kann man lernen, einen guten Shelter aufzubauen. Ein einfaches scharfes Messer, das man beherrscht, ist wertvoller als ein teures Messer, mit dem man nicht umgehen kann. Und ein Kocher ist nur dann gut, wenn man ihn bei Wind, Kälte und Dunkelheit sicher bedienen kann.
Ich würde deshalb nicht versuchen, sofort die vermeintlich perfekte Ausrüstung zu kaufen.
Benutze sie. Teste sie bei Regen. Schlafe damit draußen. Koche damit. Packe den Rucksack und trage ihn. Baue das Tarp bei Wind auf. Finde heraus, was funktioniert und was dich nervt.
Dann ersetzt du gezielt die Dinge, deren Grenzen du tatsächlich kennengelernt hast.
So entsteht mit der Zeit eine Ausrüstung, die zu dir und deinem Einsatz passt – und nicht zu irgendeiner Bestenliste im Internet.
Ausrüstung kaufen oder erst einmal ausprobieren?
In meinem Shop findest du Ausrüstung, die ich gezielt für die praktische Nutzung draußen ausgewählt oder für Bushcraft North umgesetzt habe – darunter Bushcraft-Messer, Feuerstahl, Zunderdose und Survival-Armband. Weitere eigene Produkte wie 550er Paracord und Survival Cord sind geplant.
Wenn du noch nicht sicher bist, welches Setup wirklich zu dir passt, bring deine vorhandene Ausrüstung zu einem Kurs mit. Dort kannst du Tarp, Schlafsystem, Messer, Säge, Feuerstahl, Wasserfilter, Kocher und andere Ausrüstung unter realen Bedingungen testen.
Tipp: Schau dir die Ausrüstung im Shop an oder nutze einen meiner Bushcraft- und Survival-Kurse, bevor du viel Geld in Ausrüstung investierst, deren Grenzen du noch nicht kennst.